Große Junx
Tigergatte kommt vom Elternsprechtag in der Schule. Großer Tiger scheint kriminelle Energie zu entwickeln:
das Hausuafgabenheft, welches er uns präsentiert, ist von geradezu jungfräulicher Unberührtheit. Deswegen erreichen uns Mitteilungen der Lehrerin über fehlende Hausaufgaben ebensowenig wie die Hausaufgaben oder Hinweise auf die eher individuelle Mappenführung.
Auch die Postmappe wird, so scheint es zumindest, tigerlich gereinigt. Oder er hat ein Loch im Raum-Zeit-Kontinuum in der Schultasche.

Ich dachte, damit hätten wir noch ein bißchen Zeit...

die Lösung: dreimal Hoch! auf den Überwachungsstaat- künftig wird von der Lehrerin unterschrieben (täglich vorerst) und von uns gegengezeichnet. Außerdem kommen Notizen der Gattung "you got mail" auch ins Mitteilungsheft, sicher ist sicher.




sid am 08.Dez 12  |  Permalink
Dazu ist das Mitteilungsheft doch auch damit der volle Kinderkopf nicht auf solche Sachen vergißt.

Es gibt auch Schulen, da müssen alle Aufgabenstellungen in ein extra Heft eingetragen und ab und zu von den Eltern gegengezeichnet werden.
Hilft auch öfters mal.

cassandra_mmviii am 08.Dez 12  |  Permalink
bei uns ist das keine Pflicht, außer in Ausnahmefällen wie Großem Tiger. Der führte wie es scheint 2 Hefte- eins für die Lehrerin, eins für uns :-)

Tigerpapa fiel fast vom Stuhl als er hörte, daß sein Sohn eigentlich nie die Hausaufgaben vollständig hat.
Die Lehrerin schlug die Hausaufgabenbetreuung in der Schule vor, was aber nicht klappt weil er da Sport hat.
Lehrerin: wie, der Junge macht Sport?
Stolzer Tigerpapa: 4 Mal die Woche, einmal mit Tigerpapa als Co-Trainer.
Lehrerin: davon hat er noch nie was erwähnt.

Außerdem wußte die Lehrerin noch nicts vom erwarteten Baby oder was er so liest...

der Junge strebt eine Karriere beim Geheimdienst an :-)

sid am 09.Dez 12  |  Permalink
Nun ja, die Kinder sind ja nicht verpflichtet alles von zu Hause zu erzählen. (Was auch gut so ist.)

Mein Lieblingskollege hat mir damals auch in einem Nebensatz erzählt, daß er Vater wird (allerdings schon 2 Monate später) und er ist dann doch etwas älter als alle Tigerkinder zusammen.

Über die doppelte BuchHeftführung allerdings läßt sich allerdings schon einiges an Gedankengang aufkommen.

cassandra_mmviii am 09.Dez 12  |  Permalink
da sie im Montagskreis immer erzählen, wie das Wochenende war und auch (zum Aufsatzschreibenüben) erzählen die Kidne rschon relativ viel.

Die dopplete Buchführung erklärt sich eigentlich relativ einfach: wessen Hausaufgabenheft leer ist, der muß keine Hausaufgaben machen. Ich sehe allerdings auch eine beginnende Karriere als Wirtschaftsbetrüger :-)

Tigergattens Kollegen wissen auch noch nichts bis auf eine, die mich letztens sah und den Bauch kriegt man halt nicht mehr mit "zu viele Kekse" erklärt.

murxus am 09.Dez 12  |  Permalink
Was ein Stress wegen oft sinnfreier Mappen...
...erinnere mich noch gut an Abschreiben und Kopieren zum Ende des Schuljahres - weil ja die Mappen überprüft werden.
Hat es meine LehrerInnen in der Grund & OS schon genervt, das ich trotz aller Nebenbeschäftigungen im Unterricht dennoch bei Fragen und Klassenarbeiten die richtigen Antworten kannte - nervte es mich noch vielmehr Wissen, das sich doch längst in meinem Kopf befand, nochmal in einer 'ordentlich' geführten Mappe abzuliefern.
Insbesondere da gut dressierte Liebkinder und Trullen - obwohl kein deut schlauer vor wie nach dem Unterricht - dank sauberst geführter Mappe brauchbare Zensuren bekamen, das Wissen darin hatte sie nicht berührt, geschweige denn das Verstehen desselben.

Aber bei jedem Kind sollte man wohl individuell damit umgehen - ob das Kind eine Mappe als Lernunterstützung brauchen will und kann - oder als Anerkennen sozialkonformen (Zwangs)verhaltens, das einen spätestens im Arbeitsleben einholt - oder, was auch nicht auszuschliessen ist, in Mangel anderer Fähigkeiten wenigstens den Fleiss antrainieren...

cassandra_mmviii am 09.Dez 12  |  Permalink
Mappe als Ort, wo man seine Hausaufgaben, Arbneitsblätter etc abheftet und auch wiederfindet, macht schon Sinn. Besodners wenn man dazu neigt, seinen Krams eben weder dabeizuhaben noch wiederzufinden

Knicke und fehlende Schönschrift sind uns egal.

murxus am 09.Dez 12  |  Permalink
Worauf ich mit meiner Anekdote hinaus wollte:
Zwar mag ihnen und mir der 'Sinn' durchaus bewusst sein, dennoch ist es nicht unerheblich für ein Kind - zumindest wenn es womöglich eigenständig die Aufgabe erledigen soll - das das Kind EBENFALLS einen Sinn darin sieht.
Ein Kind, das das Erlernte 'im Kopf' hat, sieht wenig Sinn darin, einen weiteren Ort arbeitsaufwendig damit zu füllen. Als Beispiel - oder auch die Priorität wird vom Kind eher tertiär angesehen und der Tag hat ja nur 24 Stunden - Zeitmanagement ist oft selbst für ErwachseneVolljährige ein Problem.

cassandra_mmviii am 09.Dez 12  |  Permalink
Wir reden von einem Zweitklässler, nicht von einem Oberstufenschüler. Selbständig arbeiten ist Lernziel,. nicht Lernvorraussetzung in der Altersgruppe.

Fleißhausaufgaben kriegen sie zum Glück eigentlich nie. Das geht eher so in Richtung: Geschichte lesen, Fragen beantworten und mit Hilfe dieser Fragen in der nächsten Stunde weitermachen.

Das ist eine Vorstufe zum sich-Notizen-machen, was man ja auch erst lernen muß.

Wenn er sich die Geschichte ohne Hilfe merken könte, ginge das wahrscheinlich sogar gut und es gäbe keine Beschwerden. Tut er aber leider nicht... auch wenn alle mehr-oder-weniger Erwachsenen sich sicher sind, daß er das könnte, wenn er nur die Geschichte gelesen hätte...

auf der alten Schule hatte er eine Deutschlehrerin, die hinter niedlich geführten Mappen her war mit hübsch gestalteten Deckblättern und so. Das war eher so eine "Fleiß und Ordnung"-Nummer, die ich auch nicht so recht nachvollziehen wollte (wollte, nicht konnte).

Das Zweitproblem ist, daß er seine Srbeitsblätter (wenn er sie dann bearbeitet hat) immer erst nach langem Suchen findet. Sollte er eine andere Lösung als Mappe finden, bin ich da durchaus offen. Ich verstehe aber auch die Lehrerin, die keinen Bock mehr hat zu warten.

murxus am 09.Dez 12  |  Permalink
Kinder sind rationale Wesen...
...weitere Anekdote, Praktikum im Kindergarten, Kind ca. 4 1/2 (angebliches 'Problemkind'), geht (wie die anderen) auch raus zum Spielen. Dies aber meist erst kurz nach 11 - und um halb wird aber 'abgebaut' weil um 12 Mittag/Feierabend für die meisten Kinder war (Abschlussrunde etc.).
Kind geht raus, will spielen, alle Kinder fangen an die Sachen ins Spielhaus zu schleppen, Kind heult, macht 'Probleme' etc. Die kaffeetrinkenden Erzieherinnen kümmerten sich schon längst nicht mehr drum.
Ich hab mir das drei Tage angesehen, dann hatte ich verstanden was los war:
Ich bin zum Kind gegangen, habe ihm erklärt das die Kinder nicht weil ER rausgekommen ist angefangen haben die Sachen einzupacken - sondern weil um 12 Feierabend ist.
Der Kleine hatte gedacht, weil ER rauskommt wird eingepackt - was sollte er auch anderes schlussfolgern, aus seiner Sicht sah es genau so aus?
Er hat dann noch zwei, drei Minuten auf dem Dreirad gesessen und nachgedacht - und dann mitgeholfen einzupacken. Und es war (meines Wissens nach) auch später kein Problem mehr.

4 1/2 - nichtmal 2.Klässler - was ich meine ist, es lohnt sich (speziell) Kindern den Sinn von Handlungen zu erklären, dazu muss man Kinder dort abholen, wo sie gerade sind (wenn ihr Sohn also Schule/Lernen eher als 'Spiel das man auspackt/einpackt und was man gestern gespielt hat ist nicht wichtig versteht, dann dort) und erklären, warum und was 'erwartet' wird.
Die 'Böcke' der Erwachsenen sind kein Sinn sondern werden als Willkür identifiziert.

Vielleicht lohnt es, mal herauszufinden, warum er die Geschichten z.B. gar nicht erst liest. Sind sie für ihn 'uninteressant' kann der Vergleich mit seinen sportlichen Aktivitäten evtl. helfen - auch da gibt es 'uninteressante' Übungen - aber es geht ja ums 'trainieren', und das macht man eben nicht mit den schwierigsten (Stichwort 'Erfolgserlebnisse).

cassandra_mmviii am 09.Dez 12  |  Permalink
Kinder sind oft extrem logisch handelnd und denkend. Klar heult man wenn alle einpacken weil man rauskommt, Zurückweisung spürt gerade ein Kind, daß mit dem "Problem"-Stempel auf der Stirn rumläuft. Und die Kids wissen, wenn sie diesen Stempel haben.


Schule ist einfach völlig unwichtig- ist schon ok, es zu machen, rangiert aber relativ weit unten auf der "hab ich jetzt grade Lust zu"-Skala. Schule ist ok weil man da die Freunde trifft, es irgendwie "nice to know" ist, aber auf gar keinen Fall annähernd so wichtig wie ein neuer Wurf beim Judo.

Schreiben können ist auch ok, das kann schon nützlich sein, aber das kann er jetzt und nun ist bitte fertig.

Er liest wie ein Wilder, Geschichten erzählt bekommen ist schon immer toll gewesen. Lehrerin war schwer beeindruckt als sie hörte, er liest den "Hobbit" und hat die Narnia-Chroniken durch, sieht auch, daß eine Geschichte von 1 Seite eher unspannend für ihn sein könnte (kurzer Handlungsbogen, keine entwickelte Geschichte, völliger Mangel an Gedichteinlagen), aber ihn komplett aus dem Unterricht rausnehmen ist auch keine Lösung, denn manchmal muß man Sachen machen, die langweilig sind.

Mathe, das ja den viel höheren Wiederholungsfaktor hat, erträgt er in Würde- das macht man und fertig. da verdöselt er auch weniger Krams.

Sachkunde ist sein Fall- da kommt hinten was bei raus, mit dem er was anfangen kann (Collage, eigenes Buch etc).
Die Einheit über Haustiere war herausfordernd- er hatte sich Katzen ausgesucht und da er alle Katzenbücher der Bibliothek kennt, ging der Lehrerin der Neuigkeitsfaktor aus.
Einerseits toll, wenn er Experte für sein Lieblingstier ist. Und äußerst effizientsorientiert: das kann ich, da muß ich wenig Arbeit reinstecken. Andererseits ist Sachkunde in der 2. Klasse kein Zoologie-Studium, es ist also völlig ok wenn man auf der Ebene "was fressen Katzen" stehenbleibt.
Lösung: er nimmt mal keine Katzen, sondern Meerschweinchen. Will er aber nicht und hat sogar gute Gründe: Katzenbeobachtungstagebuch konnte er hier führen. Wir kennen zwar auch Meerschweinchenfamilien, aber das wäre mehr Aufwand gewesen (Schuhe anziehen und rübergehen...) und Aufwand muß vermieden werden.