Dienstag, 4. Februar 2014
Magersucht und Schwangerschaft
http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/41477/Unguter-Hoffnung

Wenn ich mir erinnere, wie oft ich in der Schwangerschaft gehört habe "oh, Sie haben aber schon genug zugenommen" oder "alles über 12 kg geht nicht"...

auf dem Merkzettel stand, ich solle jeden Tag eine Stunde Sport treiben und nicht mehr als 12 kg zunehmen.

... als ich bei 14 kgwar, fragte ich den Herrn Doktor, was ich denn bitte tun solle. Hr Dr erging sich in "da kann man so einiges machen, aber Sie wollen ja nicht"- ja, der Gedanke, mit Bauch zu joggen (gegen den Rat des Orthopäden, der mich am liebsten liegen sah weil die Hüfte bedenklich knarrte), fand nicht wirklich Beifall. Oder weniger zu essen, ich war froh über alles, was drinblieb.
Dann solle ich anders essen, weniger Kalorien zu mir nehmen.

Irgendwann wollte ich das ganze mal verstehen und fragte, weshalb ich nicht zunehmen solle. Diabetes? Gefahr für's Kind? Antwort: das sei nun mal so.

Und unter den Bedingungen soll man nicht kirre werden?


Schwangerschaft ist für Magersüchtige schwer.

Magersucht ist für viele nicht vorbei, auch wenn die Waage stimmt. Magersucht, wie alle Süchte, findet im Kopf statt und nicht auf den Rippen. Schlechtes Gewissen beim Essen. Kalorienzählen. Essen vermeiden. Nur "gesundes", aka kalorienarmes Essen. Viel Gemüse, ist ja gesund. Irgendwann fragte ich mich, ob ich magersüchtig sei oder die Gesellschaft und ob ich heute noch eine Chance auf Hilfe hätte, denn das, was ich als magersüchtiges Verhalten bezeichnen würde, ist weitgehend akzeptiert als "bewußt".

Zwischen den Kotzattacken half bei mir Schokolade oder Asia-Instant-Suppen. Am besten die koreanischen, die NIE ein Huhn gesehen haben :-). Käse. Camenbert. Ich fand irgendwann raus, daß ich essen muß, wann ich Hunger hatte und nicht nach irgendeinem Plan.
Ganz falsch, beschied die Ernährungsberaterin, ich solle doch lieber eine schöne Portion Broccoli essen. Von dem wurde mir aber auf der Stelle schlecht...

Aber es ist nicht unmöglich- wenn man
a) bewußt mit seinem Problem umgeht
b) nicht dauernd hört, wie übel Gewichtszunahme doch ist.

Meine Ex-Frauenärztin wußte nicht nur von meinem "Problem", sie konnte damit auch umgehen. 25 kg beim Kleinen Tiger waren ihr egal. Nie habe ich da ein Wort gehört, so viel Gewicht sei nicht "normal". Und siehe da, ich verlor das Gewicht auch wieder.



"Ich zahle Steuern!"
stand heute in den Schaufenstern mehrerer Geschäfte, an denen ich vorbeikam.

Ja, wir auch, kommen aus der Nummer wohl auch kaum raus wenn der Staat sie direkt beim Arbeitgeber einzieht und man am Ende des Jahres gucken kann, ob er wieder was rausrückt.