Alk gegen Alkoholismus
Auf diese Idee konnte man wahrscheinlich nur in Amsterdam kommen: Mit Alk gegen Alkoholismus

Super. Ich bin entzückt.

Es mag zwar sein, daß die Alkis jetzt weniger im Park abhängen und weniger öffentlich saufen, was, wenn ich mir bestimmte Bremer Ecken so angucke, wahrscheinlich wirklich eine Verbesserung ist.

Ich finde low-budget-Lösungen auch prima (so sie denn Lösungen sind und nicht nur low-budget), schließlich ist Bremen pleite. Aber dennoch zögere ich, diesen innovativen Ansatz den Bremer Sozialbehörden zur Kenntnis zu bringen.




cut am 21.Nov 13  |  Permalink
Haha. Gegen den Alkoholismus wird es vermutlich nicht wirken. Und weg von der Straße sind die Alksi auch nicht.

Hm. Eine Aufgabe und damit eine feste Tagesstruktur. Sogar vom strukturierten Trinken ist zu lesen.

Naja. Die Aktion ist ganz sicher für die Tonne. Nasse Alkis gehen den Bach runter. Sonst gar nix.

cassandra_mmviii am 21.Nov 13  |  Permalink
da fragt man sich, ob dem Erdenker nicht die Haschwolken ins Hirn gestiegen sind :-)

Ich bin immer am Übderdenken, ob die vielgelobte Toleranz der Niederlande nicht am Ende nur ein "ist mir doch scheißegal wenn du verreckst" ist. Die "Koffeeshops" sind ja nur die eine Seite, aber die Heroinabhängigen auf den Sammelhausbooten, die bitte einfach keinen Ärger machen sollen, vergißt man.

Ist ja schön wenn man dir das Recht auf Rausch zubilligt oder das Recht auf Obdachlosigkeit, aber wie viele Menschen am Ende damit glücklich sind?

Oder ob das ganze nicht auf das calvinistische Erbe zurückzuführen ist- wenn Gott entschieden hat, daß du nicht erwählt bist (was du mit Saufen recht eindrücklich zeigst), dann kannst du dich ruhig weiter deinem lasterhaften Lebensstil hingeben.

Außerdem frage ich mich, ob der Beruf des Müllaufsammlers in den Niederlanden eine so viel höhere Wertschätzung genießt (da sind wir dann wieder beim calvinistisch-holländischen Kaufmann), man also davon reden kann, daß da Menschen Würde zurückgegeben wird.
Und ob man Würde überhaupt geben kann, ob die sich nicht erst einmal jeder selber nehmen muß.

Fragen über Fragen.

cut am 21.Nov 13  |  Permalink
Oft steckt auch nur eine Kombination von Ahnungs- und Ratlosigkeit hinter solchen Aktionen. Man staunt ja immer wieder, wie wenig scheinbare Experten (sozialer und medizinischer Bereich) von der Materie verstehen und wie bescheiden ihr Instrumentarium ist.

Ich bin ja auch weit davon entfernt, irgendwelche Patentrezepte präsentieren zu können. Das es zur Trockenheit für den Alki keine Alternative gibt, da bin ich mir allerdings sicher. Die Theorie scheint mir empirisch hochgradig genug bestätigt zu sein.

cassandra_mmviii am 21.Nov 13  |  Permalink
Am Ende kann auch kein Experte was tun wenn die Einsicht fehlt. das ist bei fast allem so. Da ist Politik nur beschränkt fähig, was zu tun.
Einsicht weckt die Nummer bestimmt nicht.

Zitat Tigergatte. "Hä? Kannst du mir das nochmal erzählen wenn ich was getrunken habe? Dann macht das vielleicht Sinn..."

loco-just-loco am 22.Nov 13  |  Permalink
Ich bin gewiß kein Calvinist (ich tu nur so... :P ), aber da ist der Calvinismus unschuldig. Zumal das katholische Belgien weitgehend die niederländische Politik kopiert.

cassandra_mmviii am 22.Nov 13  |  Permalink
Wie komme ich auf die Idee?

Ich frage mich schon länger, was genau in den Niederlanden passiert ist, wie aus tulpenzüchtenden Vorzeige-Protestanten mit Hang zur Landgewinnung das europäische Dreadlock-Land wurde.
Das 17. Jahrhundert ist eine Weile her, da kann sich viel tun, aber noch in den 1940ern waren die Niederlande stockkonservativ.

Wenn ich alleine vor Gott stehe und alleine verantwortlich bin für mein Tun und Gott sowieso schon prädestiniert hat bevor ich überhaupt geboren wurde, dann bin ich in einer weitgehend säkularisierten Gesellschaft auch frei, mich durch saudämliches Verhalten zu Grunde zu richten.

Katholiken neigen zur Heilsgemeinschaft, die dich notfalls zu deinem Glück zwingt.

loco-just-loco am 22.Nov 13  |  Permalink
Säkularisation ist das Stichwort, nicht Calvinismus und auch nicht Prädestination... letztere wird noch dazu in den meisten reformierten Kirchen entweder gar nicht gelehrt oder in sehr stark abgeschwächter Form, die deine Interpretation nicht zuläßt.
Und, wie gesagt, Belgien steht weniger im Leuchtfeuer der deutschen Presse, ist aber keinen Deut besser - und beinah staatskatholisch. Da ist nix mit Calvinismus.

cassandra_mmviii am 22.Nov 13  |  Permalink
Nee, gelehrt wird das nicht mehr, schon klar, aber es hinterläßt, egal was das Lehramt heute meint, Spuren im kulturellen Gedächtnis bzw das, was Leute sich gemerkt haben und das ist (siehe katholische Kirche) nicht immer das, was auch gelehrt wird.

Wir fallen ja nicht 1970 vom Himmel, sondern schleppen ein Rucksäcklein voller Geschichte mit uns rum und die Niederlande sind, wie alle anderen auch, geprägt von dem, was die lieben Vorfahren so angestellt haben. Kolonialreich zusammenhandeln zB, aber bei Kolonialmacht fällt den Leuten seltsamerweise Holland nie ein, sondern die Briten, Franzosen, vielleicht die Belgier im Kongo und die deutschen Kolonien.
Beim Aufstieg als Handelsmacht hat "der Geist des Protestantismus" zumindest nicht geschadet.
Das Land ist lange davon geprägt gewesen, auch wenn es heute supersäkular tut.

Aber auch rebellierende Kinder bleiben Kinder, raus aus seinem Rucksack kommt kaum einer.


Wie sieht das denn in Belgien aus mit der Sprachgrenze?