Rückblick und Ausblick
Die erste Woche liegt hinter uns.

Was habe ich getan?
Nichts, was nicht auch jemand anders tun könnte.

Noch ist Tigergatte zu Hause, aber es zeichnet sich ab, daß er ab Herbst wieder was hat. Das ist gut, wenn es auch drei unschlagbare Nachteile hat:
fachfremd
befristet
Teilzeit

Bei fachfremd sind wir uns grad nicht so sicher, ob das wirklich ein Nachteil sein muß. Keinen Bock mehr auf flatrate-Jobs, auf Arbeitszeiten bis sonstewann ab ganz früh und Vorgesetzte, die einen angucken und meinen, daß könne man doch mal eben über's Wochenende zu Hause fertig machen. Raus aus dem Hamsterrad Wissenschaft.
Mehr Zeit haben für Familie, für Sport (Judo jetzt mal ernsthaft und visiert für nächstes Jahr den Schwarzgurt an), für sich.

Großer Tiger hat sich ein Mal den Ganztagbetrieb angeguckt und beschlossen, daß es schon okay wäre, in den Leseklub zu gehen oder eine Runde auf dem Schulhof rumzuturnen.

Kleiner Tiger ist eh schmerzbefreit was das angeht.

Mini-Tiger wechselt nach den Ferien den Kindergarten udn das ist wahrscheinlich auch ganz gut.

Tigerprinzessin geht mit ihrem großen Bruder in die Krippe.


Diese Woche: die ersten zwei Tage wiederkommen und von der Familie fast erschlagen und überrannt werden.

Auf der Arbeit falsch machen was nur geht (zumindest gefühlt). Chef zwischendrinne sagen, daß er keine ausgebildete Layouterin angestellt hat und selbst wenn ich das wäre, bräuchte ich Vorgaben, wie es aussehen soll, und Anweisungen, was zu tun ist, woher soll ich wissen, was sie wann machen? Chef rennt auf dem Flur rum, gibt seinem anderen Angestellten Anweisungen, mich einzuweisen, der antwortet, das mache jetzt keinen Sinn. Der schöne Satz "Warum macht hier keiner, was ich sage" fällt. Dann ist Chef weg und ich auch nicht schlauer :-)

Geht das jetzt drei Jahre so weiter?
Ich denke, ich brauche Kaffee und Laudanum odr so was....




meermond am 05.Jul 14  |  Permalink
Wenn man mal darüber nachdenkt, welch geistiges Potential in ihrer Familie vergeudet wird, kann man nur den Kopf schütteln und sich wundern.
Bei uns blüht der Arbeitsmarkt.
Vielleicht finden Sie ja bei uns in Bayern was?
Oder Sie machen es wie wir:
Wir arbeiten weniger UND werden viel Zeit für unsere Familie haben. Leider müssten Sie hierfür aber noch 800 km weiter in den Norden ziehen.

cassandra_mmviii am 05.Jul 14  |  Permalink
Von 4 Biologenkollegen sind 3 arbeitslos, Nr 4 wird es demnächst und der einzige mit einenm Job für die nächsten 2 Jahre will hinschmeissen weil er keinen Bock mehr hat.

Kollegin von mir arbeitet wieder als Krankenschwester- promoviert, das ist irgendwie lustig.
Nr2 weiß, daß sie wenn sie aus dem Mutterschutz kommt, arbeitslos ist. Nicht so schlimm, ihr Mann hat was. Zwar auch nur Zeitverträge, aber er weiß, daß er den nächsten bekommt.

Tigergatte hat sich nach Bayern beworben, aber der Schritt vor 4 Jahren, nach Bremen zu gehen, war ein Fehler.
Vielleicht klappt da ja was.

Die Skandinavien-Option stand hier zwischendrin im Raum. Klang gut, aber hat nicht geklappt. Irgendwie bin ich ganz froh drum, denn es wäre auch ein Zeitvertrag gewesen und nach ein paar Jahren kommt man nach Dt zurück und fängt wieder von vorne an.

Im Prinzip ist das, was ich mache, sogar spannend. Nur das ich grad das Gefühl habe, eigentlich was besseres zu tun zu haben...

... egal, in drei Jahren bin ich fertig und dann ziehen wir nach Bayern :-)

meermond am 05.Jul 14  |  Permalink
Toi toi toi!
Ich kündige Sie einfach schon mal bei den charmanten Menschen unserer Universität an.
;-)

cassandra_mmviii am 06.Jul 14  |  Permalink
Uni? Brotlos. In drei Jahren will ich was, wo ich gescheit verdiene, mit Festvertrag und so weiter.

Schreiben und forschen kann ich, wenn es mich überkommt, auch ohne Uni dahinter. Und wenn dann jemand an der Uni anfragt, ob ich bei ihnen einen Festvertrag will, sage ich nicht nein, aber drum prügeln tue ich mich nicht mehr.

Dazuzahlen wenn man veröffentlichen will- nö, muß nicht.

Promotion ohne Stelle? Üblich. Man darf schreiben und kann es einreichen und an den Kolloquien teilnehmen. Aber bevor ich mir den Spaß mit Nachtwachen oder Putzen finanziere, dann lieber in dem, was ich jetzt lerne.

Ich fürche, ich bin bitter geworden.

meermond am 06.Jul 14  |  Permalink
Nein, sind Sie nicht.
Nur realistisch.
Bitter ist, wie man mit Akademikern umspringt.
Das schreckt richtig davor ab, die eigenen Kinder an die Uni zu wünschen.
Handwerk hat goldenen Boden.
Offenbar.

cassandra_mmviii am 06.Jul 14  |  Permalink
ich bin grad an einem Punkt, an dem ich sagen würde:
Studier, was du willst, was dir Spaß macht . Nur lern vorher etwas, was dich trägt, wenn das, was dir Spaß macht, zufällig nicht grad der Mangelberuf des Tages ist. Such dir was, was du schmerzfrei tun kannst. Muß nicht spannend sein und vor allem mußt du es nicht als deinen Lebensinhalt betrachten. Es soll es dir nur ermöglichen, das zu tun, was du tun willst, wenn die Mächte, die da sind, grad nicht so wollen wie du, wenn du das falsche Geschlecht hast oder was auch immer schief läuft.

Macht was, mit dem ihr im Zweifelsfall weg kommt. Nach Dänemark zB :-). Nichts, was euch auf dieses Land festlegt.

meermond am 07.Jul 14  |  Permalink
Im Zweifelsfall weg.
Eigentlich klingt das schon irgendwie schlimm, dass man so kalkulieren muss. Wir leben hier in einem hochentwickelten Land!
Und trotzdem muss man manchmal einen Strich ziehen und weg.
In diesem Fall rate ich zu einem Ingenieursstudium und dem Lehramt mit Deutsch in der Fächerkombi.

das mariechen am 12.Jul 14  |  Permalink
Deutsch? Kann ich nur davon abraten. Hier (Bayern) sind gerade bei Deutsch die Einstellungszahlen unterirdisch schlecht. Und wenn man erst einmal Deutschlehrer ist - Aufsätze zu korrigieren ist extrem zeitintensiv.

Sportlehrer sind hier aktuell gesucht - und Informatik. Im Gymnasialbereich auch noch Physik und Mathe.

cassandra_mmviii am 12.Jul 14  |  Permalink
Ich werde mir das ganze ab September von der Schülerbank aus angucken :-)

Auswanderungstechnisch ist Deutsch wahrscheinlich eine gute Wahl, dann hat man für Fremdsprachenunterricht den Muttersprachlerbonus.

borrachon am 06.Jul 14  |  Permalink
Die Arbeitsbedingungen im Wissenschaftsbetrieb sind wirklich teilweise unterirdisch und vor allem extrem familienfeindlich! Wär mal ein Thema für Frau Wanka. Und von Opiaten bitte schön die Finger lassen ;-)

cassandra_mmviii am 06.Jul 14  |  Permalink
Zeitverträge bis man 50 ist. Dann ist es einfach zu spät für's Kinderkriegen. Das erklärt die niedrige Kinderzahl bei Akademierinnen, die ja oft mit jemandem in der gleichen Situation zusammen sind.
Lange Ausbildung, immer mal wieder arbeitslos, Umzüge alle paar Jahre.

Ich bin nicht böse, das Rattenrennen hinter mir zu lassen.

borrachon am 06.Jul 14  |  Permalink
ja das ist wirklich eine untragbare und menschenverachtende Situation. Ist bei uns auch nicht viel anders...

shinjungmee am 11.Jul 14  |  Permalink
Vorschlag zur Chef-Beruhigung: vhs Kurs in Sachen InDesign oder Creative Suite (https://www.vhs-bremen.de/Live/ilink/BusinessPages/Public/CourseList.aspx)
oder Laudanum (für ihn!)

Dem Tigergatten und den Tigern viel Freude ab Herbst in den jeweils neuen Wirkungsbereichen.

cassandra_mmviii am 11.Jul 14  |  Permalink
Das klappt immer besser. Ich begreife, was er meint wenn er brummelt :-)

Das Problem ist, daß ich eine andere, nämlich neuere Version InDesign hier laufen habe als auf der Arbeit, und ein paar Klainigkeiten laufen doch anders, also muß man immer umdenke.

Ansonsten habe ich soeben mein erstes Projekt abgeschlossen und nun ist Planschbecken-Zeit!!!!