Blackfacing und Crossdressing
Ich wundere mich:

Vor ganz vielen Jahren saß ich sinnlos rum und hörte eine hitzige Diskussion um Antiziganismus. Da hatte jemand einen Besen mit den Borsten nach oben an die Mauer gelehnt, was "Zigeunersprache" für "hier seit ihr unerwünscht" sei. Aufklärungskampagnen wurden erörtert, immerhin waren grad Roma in die Nebenstraße gezogen.
Besonders schlimm, daß das Haus ja der Kirche gehöre.

Ähem... das war ich. Der blöde Besen war beim Fegen nass geworden und stand in der Sonne zum Trocknen.

Ich outete mich. Man kam überein, daß nasser Besen an sich nicht rassistisch sei, das komme ganz klar auf die Motivation an und wenn jemand (in diesem Fall ich) einen Besen zum Trocknen hinstellt, dann sei dieser jemand nicht unbedingt automatisch ein Rassist, der Roma fernhalten möchte von der eigenen Schwelle.


Blackfacing ist rassistisch, lautet der Lehrsatz. Egal was einen motiviert oder ob man überhaupt von Theatergeschichte eine Ahnung hat.

Nun frage ich mich:
wo liegt der Unterschied zu Conchita Wurst&Olivia Jones&et al.?
Wieso setzt es Frauen nicht herab wenn Männer (recht offensichtliche Männer) sich als möglichst klischeehafte Frauen gebärden?




meermond am 25.Jun 14  |  Permalink
Weil sich keiner was dazu sagen traut. Könnte ja wieder als rassistische Einstellung gegenüber Transsexualität gedeutet werden.
Man ist hierzulande recht schnell mit lautem Aufschreien....

cassandra_mmviii am 25.Jun 14  |  Permalink
ich fühle mich durch das pseudo-weibliche Rumstöckeln von Frau Jones mittlerweile ernsthaft herabgesetzt.

Am Ende sind Männer die besseren Frauen. Sogar das können sie besser und zeigen und dummen Häschen mal, wie Mädchen geht. Oder so was.

Ernsthaft angepißt.

Daß man sich nicht das Gesicht schwarz anmalen soll und den Bimbo (Fachausdruck, kein Rassismus intentiert) geben verstehe ich ja.
Aber wieso dürfen diese Männer mich als Frau durch den Kakao ziehen?

meermond am 25.Jun 14  |  Permalink
Männer sind die besseren Frauen?
Glaub ich nicht. Sie sind schlechte Imitationen.
Ich stimme Ihnen aber zu, dass es langsam aber sicher unverschämt wird.
Die Wurst hat mich in keinster Weise beeindruckt und ich möchte mich nicht mit ihrer Sexualität auseinander setzen müssen.

cassandra_mmviii am 25.Jun 14  |  Permalink
Das mit den Männer, die die besseren Frauen sind, war ironisch gemeint. Ein Verzweiflungsstoßseufzer.

admiral am 25.Jun 14  |  Permalink
"Männer sind die besseren Diven" sagt meine Frau.

Und nebenbei bin ich seit Neustem auch Rassist, seitdem eine Bemerkung von mir nicht wie gewünscht und gewollt ironisch verstanden wurde...... Der Typ war 'ne humorlose Diva.....

sid am 28.Jun 14  |  Permalink
Abgesehen davon, daß ich nicht nachvollziehen kann, warum Sie sich alle von C. Wurst bedroht fühlen, scheinen einige noch immer nicht verstanden zu haben, daß das eine KUNSTFIGUR ist.
Warum sich da einige mit deren Sexualität auseinander zu setzen meinen müssen, versteh ich auch nicht.

Diese KUNSTFIGUR ist heterosexuell.
Der Künstler läuft im Privatleben wie jeder andre Mensch herum und läßt jedeN sein, wie er/sie ist. Es geht um Toleranz (und zwar im großen Bereich).
Bin echt erstaunt, daß wie viel das noch immer nicht begriffen haben.

cassandra_mmviii am 28.Jun 14  |  Permalink
Bedroht nicht, "nur" herabgesetzt. Er imitiert nämlich keine Marsmännchen, sondern Frauen, und zwear auf eine Art und Weise, die jeden negativen Klischee entspricht.

Toleranz komtm von "tolerare", ertragen. Tue ich ja. Nicht schweigend, aber das zu fordern wäre dann ja auch mal ein wenig viel.
Ich latsche ja auch nicht zur Afrikanerin und sage ihr, daß sie die Klappe über doofe Mohrenwitze halten soll.

sid am 28.Jun 14  |  Permalink
Inwiefern macht sich C. Wurst über Frauen lustig??

Nun ja - wenn Sie schon bei Mohrenwitzen sind - hier darf man ja nicht mal mehr vorwurfsfrei "Mohr im Hemd" verlangen, aber wenn Miss Umbrella über einen Fußballer "my nigga" sagt, ist das ok - DAS sind die Sachen, die ich noch nicht ganz verstanden habe.

Oder geht es nur darum, daß Hellhäutige gar nix sagen dürfen, und Dunkelhäutige alles? Und was bitte ist das die richtige Bezeichnung - das finde ich seit Jahren nicht raus (über PoC waren wir uns ja schon mal einig).

cassandra_mmviii am 28.Jun 14  |  Permalink
"my nigga"- Jugendsprache verstehe ich nicht. Tur mir leid, aber ich bin einfach zu alt.


Ich finde diesen ganzen Bereich mittlerweile mit Tretminen ausgelegt, aber ich empfinde die Art zu gehen, zu lachen, zu lächeln etc als dermassen grotesk übertrieben und klischeehaft "weiblich", daß ich mich frage "ham was noch?". Nachäffen nennt man das, wenn es Kinder tun und damit andere ärgern wollen.

Was mich wundert ist folgendes (ich nummeriere, dann kann später jeder/jede/jedes Innen_und_Außen genderasterix sagen wo er nicht zustimmt, das wird hoffentlich übersichtlicher)

1) Weiße treten in der bevorzugten Position an
2) wenn Weiße sich als Jim Knopf verkleiden, ist das rassistisch weil blackfacing.
2a) man kann drüber streiten, ob der Betreffende dazu über die Darstellungen von Schwarzen im Us-Süden des frühen 20. Jahrhunderts Kenntnis haben sollte; im deutschsprachigen Bereich waren diese kaum vorhanden, die Frage, ob man davon wissen kann/soll/muss, stellt sich für mich also schon.

Wenn ich dieses Argumentationsmuster auf Männer, die ja auch in der "höheren" Position starten, in Frauenrollen übertrage, dann frage ich mich, warum keiner aufschreit.


Dazu kommt, daß ich aus einer Gegend stamme (ich weiß nicht, wie das in Österreich ist!), der "Boyshoi"-Ballette auf dem Dorfkarneval überaus beliebt sind.
Was ist das?
Schnurrbärtige Männer, die im Tütü über die Bühne zu "Schwanensee" hüpfen als Intro, dann kommen Soli, in denen besagt bärtige Männer Frauen darstellen- was, analog zu den Blackfacing-Truppen des Südens, immer mit einem Abzug von Intelligenz, verbunden ist.
Das soll komisch sein. Ich fühle eher Fremdschämen, das aber ist dann meine prüde Seite, wie mir immer versichert wird.
Marlene Dietrich mag im Anzug ein Anblick gewesen sein, Her Meyer, der Dorfheld, der samt Schnodderbremse die Dietrich darstellt, ist es nicht. Echt.


Entweder wir entspannen uns alle, dann darf man auch wieder Mohrenkopfbrötchen kaufen, oder wir werden mal konsequent.

sid am 28.Jun 14  |  Permalink
Ich bin fürs Entspannen.


Ob Rihanna mit 26 Jahren noch eine Jugendliche ist bzw. sie so sehr Jugendsprache spricht, bezweifle ich.

Zum Thema "herab setzen" - finden Sie da nicht Formate a la "Chicas Walk" nicht sehr viel extremer und sexistischer, als 2 Travesitie-Künstler?
Ich für mich, finde diese Art von Sexismus sehr viel bedenklicher - da werden Frauen sehr viel mehr als Sexobjekt behandelt (nämlich von außen), als wenn sich ein Mann schminkt.

cassandra_mmviii am 28.Jun 14  |  Permalink
Berufsjugendlich. Oder ihre Kundschaft soll sie verstehen.

Seit mir schwant, daß ich künftig ein mal pro Woche mit Jugendlichen zu tun haben werde... fragen Sie nicht :-)

Ein Freund von uns macht auch eine Ausbildung nach dem Studium (die Theologie ist zwar erkenntnisreich,a ber auch brotlos) und hat nach einem Jahr begonnen zu verstehen, was seine Mitschüler sagen. Meint zu zumindest und "meine Kinder lernen, sich vernünftig auszudrücken!"

cassandra_mmviii am 28.Jun 14  |  Permalink
"Chicas Walk" kenne ich nicht. Sollte ich zumindest mal angeguckt haben bevor ich eine Meinung habe.

Ich gebe allerdings jederzeit zu, daß vieles aus dem Bereich an mir vorbeigeht.

sid am 28.Jun 14  |  Permalink
Ich verstehe für gewöhnlich schon, was Heranwachsende so von sich geben, aber da gehts ja klar um eins der Verbotswörter.

"Zehn kleine Neggerlein" bekam einen neuen Titel usw., da wüßte ich für mich nur gerne, wann welches Wort verwendet werden darf, da sich offensichtlich niemand darüber einig wird und dann doch sehr oft die "ganz bösen Wörter" (wobei ich das nicht beurteilen mag) doch immer und immer wieder von "nicht rosafarbigen Menschen" benutzt werden.

Mich würde die "politisch korrekte" Bezeichnung interessieren - falls es sowas gibt.

@chicas walk
Da kenn ich auch nur die Vorschauen. Die allerdings ließen mich doch sehr verwundert zurück.

cassandra_mmviii am 28.Jun 14  |  Permalink
Der Digger ist ein "digging Indian", was der alte und damit rassistische Ausdruck für eine Gruppe von Gruppen (Stämme geht ja auch nicht mehr) aus dem Kalifornischen Becken ist, der Name leutet sich von Grabstöcken her.
Was aber kein Nichtethnologe (oder verwandtes) wissen dürfte. Wissen die, was sie sagen oder ist das einfach nur cool?

Ich finde das mit den Verbotswörtern auch seltsam. Wenn es denn damit endet, daß jemand kreischt „Sag das Wort nicht! Sag das Wort nicht!" reicht es mal. Das ist zwar ganz lustig, aber wir sind hier ja nicht im Absurden Theater, sondern wollen zusehen, daß wir uns langfristig alle auf Augenhöhe angucken.

Meine Schwägerin ist schwarz. Und sagt genau das über sich. Der PoC-Ansatz endete mit Fragen wie "willste mich veräppeln?". Von daher ist die Frage für mich so lange gelöst bis sie was anderes will.

Die 10 kleinen was-auch-immer werden kaum noch gesungen. Man plagt sich im Kindergarten mit immer neuen Liederzetteln, auf denen "neue Kinderlieder" stehen, die nach dem Event wieder vergessen werden. Das ist doof, denn "früher mal" konnte man drauf rechnen, daß alle einen Grundschatz an Liedern hatten, die man auswendig singen konnte, was vieles einfacher gemacht hat und so wurde auch mehr gesungen.Manchmal sogar ohne das ein Erwachsener es anleitete.

sid am 28.Jun 14  |  Permalink
10 kleinen was-auch-immer - gibt aber auch zB einen Krimi von A. Christie, der auf Deutsch so hieß (nun nicht mehr).

Ich sagte ja, über "PoC" waren wir uns bereits einig : ))
Ich meinte die Frage auch ganz ernst - ich will niemanden auf die Füße trampeln und ich verstehe, daß man manches nicht sagen soll - aber wenns dann von der andren Seite doch immer wieder kommt, bin ich sehr verunsichert und weiß mittlerweile nicht mehr, was man überhaupt sagen darf.

Gut, also falls Sie eine Lösung finden, bitte informieren Sie mich : )


Hmm, wenn ich wen "Digger" sagen höre, beziehe ich das eher auf "Dicker" - also auf Körperform.
Liegt vllt am "Schnegge", daß ich das so versteh.