Freitag, 9. November 2012
Gottgläubig...
Zeugen Jehovas vor der Tür. Die wollen mir ja eigentlich nichts Böses, sondern meine Seele retten. Theologisch laufen die ZJ bei mir zwar unter "verwirrt", aber generell gibt es keinen Grund "ich bin Satanist" zu schreien, sich auszuziehen oder auf was Leute noch alles kommen, weil ZJ zu schockieren ja ach-so-lustig ist.

Im Verlauf des Gespräches an der Tür sagte die Ältere der Beiden (wieso denke ich eigentlich immer "Yoda hatte recht- immer zu zweit sie sind"?!) "das ist ja schön, daß Sie so gottgläubig sind".

Nein. Bin ich nicht. Bin ich auf keinen Fall. Ich klärte also auf, daß "gottgläubig", "deutschgläubig" oder "schicksalsgläubig" die SS gewesen sei, ich aber auf keinen Fall. Sie erstaunt, davon hat sie noch nie was gehört. Spontanvorlesung über die SS-spezifische Spiritualität gehalten.

Unterbrochen worden vom Mini-Tiger. "Oh, der ist ja gar nicht im Kindergarten". Völlig falscher Fuß...

Meine boshafte Seite fragt sich, warum ich eigentlich ein Buch über die Bibel lesen sollte statt der Bibel (noch dazu ein sehr dünnes) und wieso die ZJ immer überrascht sind, wenn noch jemand außer ihnen die Offenbarung des Johannes kennt.



Zum 9. November
http://www.youtube.com/watch?v=s4pjKopHoHg

Am 9. November 1938 brannten in Deutschland die Synagogen. Warum? Weil niemand die Nazis aufgehalten hat.



Katerchen
ist immer noch unterwegs. Normalerweise taucht er um die Frühstückszeit wieder auf (so ähnlich wie Ehemänner oder Kinder), aber er ist heute noch gar nicht hier gewesen, von seinem Nachtausflug (Teenager halt...) noch nicht wieder da.

Ich mach' mir ein bißchen Sorgen.



Mitteilung an Herrn Steinbrück
Herr Steinbrück im Spiegel über das
Betreuungsgeld

"Groteskerweise" würde es weder in der Koalition noch in der Gesellschaft eine Mehrheit für die Finanzleistung geben, so Steinbrück. Und das alles, weil es eine "regionale Partei aus Bayern als ihr Hobby ansieht", die "Herdprämie" durchzusetzen."

Herdprämie? Das Geld soll nicht bezahlt werden, damit irgendwer (Männer können übrigens auch kochen, mag Ihnen ja noch nicht aufgefallen sein) lecker kocht. Vor ein paar Jahren waren Sie noch Peer-der-Mitleidige angesichts von Kindern, die zu Hause nix zu essen bekommen und deswegen unbedingt in der Schule essen müßten.
Dann holen sich eben diese Kinder in der Schule Erdbeer-Durchfall holen müssen. Dann ist sicher allen geholfen. Haben Sie zwischenzeitlich eigentlich mal drüber nachgedacht, was eben diese Kinder in den Sommerferien essen sollen?

Gerade im Angesicht dieser Problematik erscheint mir das Rumhacken auf der Tätigkeit am Herd als fehlangebracht.
Das Essen in der Familie, wenn alle zusammen sitzen, sich ihren Tag erzählen, lachen und lernen, zuzuhören, ist für mich immer noch der Idealfall, den verächtlich zu machen nicht gerade von Hochachtung gegenüber Familien zeigt, in denen das noch klappt.

Das Geld soll gezahlt werden, um eine kleine Anerkennung für die Erziehungsleistung innerhalb von Familien zu sein. Mehr können 150 Euro eh' nicht sein.


"Die "Biedermeier-Idylle" der Regierung passe nicht in die heutige Zeit."

Das entscheidet wer? Könnte ich bitte eine Liste haben, was in die "heutige Zeit" paßt und bis wann das paßt?
Abends zusammen essen ist bei Ihnen offensichtlich "Biedermeier" und deswegen irgendwie böse oder ziúmindest lächerlich. bei uns nicht. Wenn Sie Ihre Meinung ändern wollen, kommen Sie ruhig mal abends vorbei. Essen gibt es hier gegen 7. Wenn Sie eine üble Nahrungsmittelallergie haben oder einfach keine Zucchini mögen, sagen Sie kurz Bescheid. nett wäre, wenn Sie warten könnten bis ich wieder Kochen kann und damit meinen altmodischen Gastgeberinnenpflichten beser nachkommen kann. Also im April irgendwann?

"Die umstrittene familienpolitische Leistung, die im Bundestag zur namentlichen Abstimmung steht, sei nicht nur fiskal-, arbeitsmarkt- und bildungspolitischer Unsinn. "Viel schlimmer ist, dass es das Selbstbestimmungsrecht der Frauen beschädigt", sagte der SPD-Politiker. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bezeichnete er als "eines der zentralen innenpolitischen Themen"."

Gut das das zur namentlichen Abstimmung steht. Dann kann ich mir angucken, wer wie gestimmt hat und es in meine Wahlentscheidung einfliessen lassen. Vielleicht bekommt der lokale SPDler dann meine Stimme, denn Sie, Herr Steinbrück, bekommen sie definitiv nicht.

Das Selbstbestimmungsrecht von Frauen wird also eingeschränkt... aha.
Haben Sie schon mal von GK Chesterton gehört? Der hat Pater Braun erfunden, vielleicht kennen Sie den ja.
Chesterton stellte in einer Auseindersetzung mit einer zeitgenössischen Feministin fest, der Gedanke, daß Frauen lieber außer Haus statt in der Familie arbeiten sollten, kapitalitisch und reaktionär sei.
"I said it was purely capitalist and reactionary. But there are many other aspects of this evil thing. It is unclean in the light of the instincts; it is unnatural in relation to the affections; it is part of a general attempt to run the populace on a routine of quack medicine and smelly science; it is mixed up with a muddled idea that women are free when they serve their employers but slaves when they help their husbands; it is ignorant of the very existence of real households where prudence comes by free-will and agreement.”

Ich bin also selbstbetimmt wenn ich eine Gehaltsabrechnung mit nach Hause bringe und unselbstbestimmt wenn ich es nicht tue? Sagen Sie mal, weiß Marx eigentlich, was Sie da reden?



Blick über den Tellerrand
Um die Diabetes in den Griff zu kriegen und das Insulinspritzen zu vermeiden solange ich mich noch übergebe, versuche ich eine Ernährung mit viel Protein und wenig Kohlenhydraten. Zuerst dachte ich "würg" weil ich Horrorvisionen von fettigen Spiegeleiern hatte, aber ganz die Übelkeit ist deutlich besser geworden, ich habe sogar die Medikamente von 4 Mal täglich auf 3 Mal reduzieren können.

Heute morgen gab es leckeren Hummus mit Gurken und Tomaten.
Beliebte Snacks sind Hüttenkäse, Käse insgesamt, Fisch, Avocado und alle Arten von Nüssen.

Mal sehen was der Diabetologe davon hält, der war ja ganz wild drauf, mich an die Nadel zu bringen.

In Deutschland heißt der Ratschlag bei Übelkeit "Tee und Zwieback" und das habe ich auch ziemlich oft gehört. Das ist bei Magen-Darm-Ifektionen auch eine gute Idee, aber ich habe definitiv keine Magen-Darm-Grippe.

Diabetes-Ernährung und Hyperemesis wiedersprechens sich, zumindest für mich. Von Süßstoffen wird mit übel (noch nie einen gehabt, der mir nicht Probleme machte weil er falsch schmeckte), Schrotbrot vertrage ich zur zeit auch nicht. Bei Hyperemesis besinnt sich jeder auf Tee und Zwieback (also eine Variante von "Wasser und Brot"). Das ein paar Monate lang zu machen ist eine Garantie für Mangelschäden bei Mutter&Kind.
Süßstoffe mag ich nicht, da mag die Ernährungsberaterin noch so sehr ins Schwärmen von Aspartam kommen. Von denen wird mir übel selbst wenn ich grad nicht schwanger bin. Die Idee, also ganz viel Diät-Cola zu trinken gegen die Übelkeit scheidet also auch aus.
Wasser zu trinken macht mir überhaupt nichts aus, mir fehlt nichts ohne Soda-Pop.

Koffein muß auch nicht sein, der Ratschlag, morgens statt Milch doch "einfach einen schönen starken Kaffee" zu trinken fiel also auch flach, außerdem fragte ich mich, ob die Ernährungstante die Nummer mit der Schwangerschaft mitbekommen hat.

Sie händigt mir eine BE-Tabelle aus, ich sehe, daß die Hälfte der Sachen Süßdope ist, Bäckereikuchen oder "was enthält ein BigMac?". Supi, ich glaub', ich war vor 10 Jahren das letzte mal Burger im Restaurant zum Goldenen Doppelbogen essen.

Irgendwie hatte ich das Gefühl, wir redeten völlig aneinander vorbei.

Was macht der moderne Mensch wenn er was wissen will? Er googlet.
Ich googlete außerdem auf Englisch, mal sehen, was die anglophone Welt an Ideen hat. Man muß ja nicht alles machen was man im Internet findet, der Verstand ist grundsätzlich einzuschalten, aber Ideen sammeln schien mir eine gute Idee.

Starke Blutzuckerhochs oder Tiefs können zu Übelkeit, Schwindel, Schweißausbrüchen, Kopfweh etc führen. Diabetologen versichern immer, daß man hohen Blutzucker berhauopt nicht merkt, ich hatte da beireits in Schwangerschaft 1 bis 3 einen andernen Eindruck, letztes Wochenende hinterließ auch recht lebhafte Erinnerungen.
Also: Spitzen vermeiden. Das tut man entweder indem man mit Insulin und Traubenzucker lange genug rumspielt bis es klappt (und währenddessen halt Probleme hat) oder indem man versucht, den Blutzucker langfristig über proteinreiche Kost zu stabilisieren.

Da Fleisch und ich immer noch zwei ganz heikle Themen sind die GU-Nährwerttabelle gewälzt und pflanzliche Eiweiße gesucht. Linsen, Erbsen, Kichererbsten, Bohnen stechen da heraus. Nu' erschien mir die Vorstellung, Bohneneintopf zum Frühstück zu essen, nicht sehr verlockend. Aber Knabbergemüse mit Hummus geht durchaus.